Ausarbeitungen

 

Alex Hertfelder, Hapkido

 

Hap = Die Harmonie Zwischen Körper und Geist

Ki     = Die geistige und körperliche Kraft

Do   = Die Charaktererziehung, der Lehrweg

 

Vorwort 

 

Hiermit möchte ich meinen persönlichen Weg vom Schüler zum angehenden Dan-Träger in schriftlicher Form niederlegen. Dies soll zur besseren Einschätzung meiner Person und meinen Kenntnissen in Hapkido bzw. in der Welt der Kampfkünste darstellen. Die Informationen die hier nieder gelegt werden, stammen in erster Linie aus meinen eigenen Erfahrungen sowie schon aus vorhandenen Quellen wie dem Internet (Wikipedia) und den uns niedergeschriebenen Büchern anderer Meister wie zum Beispiel Detlef Klos (Hapkido) und Manfred Zink (Karate/Kyusho – Jitsu). GM Song T. Park (Kiai-Do), Masaaki Hatsumi (Bujinkan Budo Taijutsu), Rainer Grytt (Jiu-Jitsu) uA., haben mich ebenfalls in meinem Denken beeinflusst, aber ich möchte hier nicht näher auf sie und ihre Kampfkünste eingehen. Wem es aufgefallen ist, sind die meisten Meister die ich aufgelistet habe den japanischen Kampfkünsten zuzuordnen, dies liegt jedoch daran, dass Hapkido eine recht junge Kampfkunst (Selbstverteidigungs System) ist welche erst im zwanzigsten Jahrhundert entwickelt worden ist. Innerhalb des Hapkido gibt es mehrere Stilrichtungen. Im Hapkido-College-Wunstorf wird der relativ offene Kuk-Sul-Won Stil unterrichtet, der den Schwerpunkt auf die moderne Selbstverteidigung legt. Die Erfahrungen älterer und länger bekannter Kampfsysteme sind gut geeignet, um Hapkido noch intensiver zu entwickeln. Da ich diese Theoriearbeit nicht nur für die Prüfung in Hapkido vorstellen möchte sondern auch für die Prüfung in Kyusho – Jitsu des Kyusho – Jitsu – Federation e. V. werde ich zu den jeweiligen Techniken (Prüflingstechniken) die ich hier vorstellen werde auch auf die wirkenden Vitalpunkte eingehen.

  

Entstehung und Entwicklung des Hapkido

 

Hapkido ist ein koreanisches Selbstverteidigungs System, welches seinen Ursprung aus dem japanischen Kamkunstsystem Dayto-ryu Aiki-Jujutsu  hat. Die Entstehung des Hapkido begann im Jahre 1910, als Korea unter japanischer Herrschaft stand. Im Alter von acht Jahren wurde Choi Yong-sul (Gründer des Hapkido) nach Moji in Japan gebracht. Dort lernte er nach seiner eigenen Aussage Jahrzehnte bis zum Ende der japanischen Herrschaft über Korea bei Meister Takeda Sokaku das japanische Dayto-ryu Aiki-Jujutsu. Da auch Ueshiba Morihei, der Gründer des Aikido bei Takeda seine Ausbildung absolvierte, haben Hapkido und Aikido die selben Wurzeln. Neben Choi gab es auch andere Koreaner die in Japan Dayto-ryu Aiki-Jujutsu erlernt hatten, jedoch nach ihrer Rückkehr ins Heimatland nach der Okopierung Koreas 1945 nicht so viele Schüler wie Choi hervor brachten. Anfangs bezeichnete Choi die Kampfkunst die er erlernt hatte als Yuwara, die altjapanische Bezeichnung für Jujutsu. Während er an seinen erlernten Techniken wenig veränderte, machte er sich um so mehr Gedanken über den Namen seiner Kampfkunst. Er nannte sie Yu-sul (weiche Technik) als direkte Übersetzung von Jujutsu ins koreanische, Yu-Kwon-sul (weiche Fausttechnik) und Hapki-Yu-Kwon-sul (weiche Fausttechnik in Einheit mit Ki). Mit seinem ersten Schüler ( Suh Bo-sup ) eröffnete Choi im Jahre 1951 am 12. Februar das Hapkido-Yu-Kwon-Sul Dojang. 1959 wurde Hapkido als Kurzform von Hapki-Yu-Kwon-sul verwendet und weiter geführt.

 

Weiterentwicklung des Hapkido 

 

Ji-Han-jae ( geb. 1936 ), mit unter den ersten Schülern Chois seit 1953, gründete 1956 in Daeygu die Schule An Mo Kwan und ein Jahr später in Seoul das Sun Moo Kwan ( Kwan steht für Schule, Verband oder Stil ). Jis technischen Inovationen und Können zu Folge wurde Hapkido erst innerhalb Koreas und später auch International bekannt. Durch seine außerordentlichen Leistungen mit seinem Kampfsystem stand er ab 1962 als Bodyguard für den Präsidenten Park Chung-hee zum Dienst, war der leitende Hapkido Trainer seiner Sicherheitskräfte, unterrichtete die koreanische Polizei, koreanische Späzialeinheiten sowie an der Militärakademie.

Da wir im Hapkido College Wunstorf den Stiel Kuk Sool Won praktizieren, werde ich den Faden in diese Richtung weiter führen, denn es gab bzw. gibt noch viele weitere Stiele die von Chois und Jis Schülern entwickelt und verbreitet wurden. 1961 gründete Kim Moo-hong im Seoler Bezirk (Jong Myo ) das Sin Moo Kwan Hapkido Dojang. Dort wurde Su In-hyuk, einer der späteren Gründer des Kuk Sool Won Hapkido sein Schüler. In Deutschland selbst breitete sich das Hapkido über die Gastarbeiter aus Korea im Ruhrgebiet aus, in unserem Fall vom Pak In-shuk der 1964 als Bergarbeiter im Ruhrgebiet arbeitete. Zu diesem Zeitpunkt trug er selbst den 4. Dan in Kuk Sool Won Hapkido. Ab 1965 lehrte er in Deutschland das Hapkido. Als dieser 1967 Deutschland verließ, übernahm sein höchstgraduiertester Schüler Karl Heinz Kikuth das Training in Deutschland. So wie sich das für die Weiterentwicklung gehört, entstanden auch hier Schüler, die die Ausbildung genossen, sich weiterentwickelten, ihre eigenen Techniken hevorbrachten und optimierten sowie auch eigene Schulen hervorbrachten. Detlef Klos, mittlerweile 9. Dan im Hapkido der seine Lehre bei Karl Heinz Kikuth absolvierte, brachte ebenfalls einige Schüler hervor, die zur Weiterverbreitung des Hapkido sorgten. Zu uns nach Niedersachsen kam sein Schüler Frank Schulte. Dieser Mann trainierte nicht nur voller Begeisterung meine Trainer ( Sven Hagedorn 3. Dan, Anthony Funk 3 Dan. ) sondern knüpfte auch neue Verbindungen zu anderen Vereinen. Ihm ist es zu verdanken dass das Hapkido College Wunstorf eine enge Bindung zum Jujutsu Meister Reiner Gryth gefunden hat sowie den dazugehörenden Vereinen des Yoshinkan International Verbandes. Ein Überblick zu den bekanntesten Stilen, die ihren Ursprung aus dem japanischen Daito-ryu Aiki Jujutsu haben

 

Die Prinzipien des Hapkido 

 

Das Hapkido ist ein Selbstverteidigungs-System, welches darauf basiert seinen Angreifer durch technisches Können sowie die Beeinflussung der Theorien des fließenden Wassers (Yu), des Kreises (Won) und der Harmonie (Hap) zu besiegen.

 

Die Theorie des fließenden Wassers 

 

Das Wasser ist eines der vielseitigsten Elemente, durch ihre unterschiedlichsten Eigenschaften, wie z.B. durch die drei Aggregatzustände (hart, flüssig und verdampfend). Wie uns bekannt ist wäre gar kein Leben auf unserem Planeten möglich ohne dieses wunderbare Element. Das Wasser kämpft sich nicht durch Hindernisse mit roher Gewalt, sondern passt sich ihrem Hindernis an und fließt an ihm vorbei. Obwohl hier demonstriert wird, wie sich das Wasser anpasst, bleibt es in seinem Element (flüßig, Wasser ). Genau dem selben Prinzip müssen auch wir Menschen ob im Sport oder im Leben nachgehen um sich in unserem Dasein immer vort zu entwickeln. Die Eigenschaft ( Weichheit ) im Element Wasser ist wichtig für den Hapkidoin um die Hapkidotechniken verstehen und einsetzen zu können. Es ist Fakt, dass Stahl mit genug hohem Druck irgend wann brechen wird, nicht so dass Wasser welches sich bei Druck immer anpassen wird und somit seine Überlegenheit demonstriert. Im Hapkido werden  starke Angriffe des Angreifers nicht mit Gegenkraft beantwortet, sondern in einer fließenden Bewegung weiter umgeleitet. Beispeil: Wenn man sich einen Flüss mit starker Strömung vorstellt, der von einem hohen Berg hinunterfließt, werden die Probleme ersichtlich die man bekommt um seine Richtung zu Ändern. Ein Staudamm senkrecht zur Fließrichtung wäre nicht die ideale Lösung. Wenn man jedoch die Wasserflut sanft umleitet, wird sich der Erfolg langfristig ergeben.

Dies entspricht der Theorie im Hapkido. Auch das Hapkidoprinzip, in einem einzigen Moment die maximale Kraft einzusetzen, kann auf das Prinzip des fließenden Wassers zurückgeführt werden. Beispiel: Ein Feuerwehrmann kann seinen Einsatzschlauch im Ruhezustand locker halten, wird der Schlauch jedoch an einen Hydranten angeschlossen und steht unter Druck, wird das Wasser schwer und kraftvoll. Dann müssen in Folge der Konzentration des Wassers auf einen Punkt drei Personen die Schlauchspritze handhaben.

Hapkido setzt die Kraft (Ki) wie das fließende Wasser ein. Mit Konzentration und der richtigen Atmung muss jeder Hapkidoin in der Lage sein, seine ganze körperliche sowie geistige Energie auf einen Punkt des Körpers zu konzentrieren. Wenn sich ein Fluss in mehrere Richtungen teilt, wird seine uhrsprüngliche Kraft reduziert. Genauso verhält sich das mit der Energie des Menschen, verteilt er diese auf beide Arme so wird Diese reduziert. So  kann die Energie nur ihren Spitzenwert erreichen, wenn sie auf einen Arm, einen Punkt konzentriert wird.

 

Die Theorie des Kreises

 

Jeder Mensch hat seinen persönlichen Kreis, seine persönliche Sphäre, die seinen Körper umgibt. Diese Sphäre wird von uns instinktiv geschützt sobald irgendwer diese ohne unsere Einwilligung zu überschreiten vermag. Dies bedeutet jedoch nicht, dass wir uns mit aktiver Aggression schützen, es reicht schon aus einen Ausweichschritt in eine andere Richtung zu machen, der die Distanz vom Eindringling zur unseren persönlichen Sphäre wieder herstellt. Im Kampf bedeutet dieses für uns, dringt ein Angriff des Angreifers nicht bis in die Sphäre durch, ist es auch nicht notwendig diesen abzuwehren, denn es wäre nur unnötige Energieverschwendung. Dringt der Angriff jedoch in unsere persönliche Sphäre durch, wird dieser mit weichen Kreisbewegungen umgeleitet. Die umleitenden Annahmen sowie die Weiterleitung der Angriffe sollen nicht nur die Energie des Angreifers schwächen,  sondern auch Raum für unseren Gegenangriff geben. Verwendet man die Kreistheorie mit den Hapkidotechniken, wird ein Konter möglich, der die eigene Kraft und unser Gleichgewicht begünstigt. Techniken die bei Konterangriffen direkt und gerade ausgeführt werden, sind in der Regel energieaufwendiger und weniger effektiv.

  

Nachdem der Kampfsportler durch Meditation und intensives Training die Harmonie zu sich selbst und dem eigenen Körper erarbeitet hat, ist sein nächstes Ziel die Harmonie zum Gegner zu erstreben. Der danach folgende Schritt ist das Erreichen der Harmonie mit sich selbst und der Umgebung um sich herum. Ist dem Kampfsportler gelungen diese Schritte sich anzueignen, besteht sein weiteres Vorgehen darin das Angeeignete mit den Hapkidotechniken zu verbinden, wobei er seinen eigenen Geist stets im Fokus behält um seine Erfolge weitgehend zu erreichen. Um diese Harmonie zu erreichen, muss unser Geist immer angstlos und ruhig gehalten werden. Unser Geist muss mit dem des Gegners in Einklang gebracht werden, eine Art Synchronisation zwischen den beiden Kontrahenten (Angreifer, Verteidiger ). 

Beispiel:  Wenn der Angreifer eine Zugbewegung ausführt, ist dem nachzugeben und mit einer Stoßbewegung zu kontern. Wird hier ein Faustschlag als Stoß ausgeführt, ist die darauffolgende Reaktion des Verteidigers eine Zugbewegung in die Richtung des Stoßes. Dies ist die Koppelung der Synchronisation und der Harmonie zwischen den beiden Kontrahenten.

Unser Ziel im Hapkido ist nicht die Zerstörung (Verletzungen durch aktiven Krafteinsatz) sondern der Sieg über den Geist des Angreifers mit sanften und liebevollen Bewegungen durch Harmonie.

Die Theorie der Harmonie in allen Kampfsportarten,ist nach meiner Sichtweise das beste Mittel seinen Lehrweg (Do) in die richtige Richtung zu lenken, denn sowohl im Sport als auch in unserem Leben haben wir Hindernisse mit denen wir kämpfen und arbeiten müssen.

 

Kup So Sul/ Hyul Do Bop (Kyusho-Jitsu), das Wissen um die Vitalpunkte

 

Kup So Sul (kyusho-Jitsu) umfasst das Wissen über die Lage der Vitalpunkte im menschlichen Körper, sowie die Möglichkeiten ihrer Beeinflussung für die Anwendung in den Kampfkünsten. Der Zweck liegt dabei hauptsächlich in der Beeinträchtigung der Körperfunktionen (Schmerz, Gleichgewichtsstörungen, Kraftverlust bis zur möglichen Bewusstlosigkeit), aber auch das Wissen um die Linderung von Beschwerden oder Blockaden im Energiefluß des Körpers, bis hin zur Anregung des Kreislaufs bei Bewusstlosigkeit gehören dazu. Dies muss den Kampfsportlern stäts bewusst sein, denn nur Einseitige Beeinflussung der Vitalpunkte in Form von Zerstörung zieht Folgen nach sich (Chaos), dies muss ständig im Gleichgewicht gehalten werden (Yin Yang), was zur bedeuten hat, alles was ich zerstöre muss ich auch wieder herstellen können. Das Wissen um die Vitalpunkte geht auf die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) zurück, deren Anfänge mindestens 2000 Jahre zurück reichen. Anfangs benutzte man Steinnadeln, Holzsplitter, oder Fischgräten zur Stimulierung der Vitalpunkte, später wurden Metallnadeln unterschiedlicher Form verwendet. Im laufe der Zeit wurden viele Punkte am menschlichen Körper untersucht. Einige davon eigneten sich jedoch nicht für die Akupunktur, da sie ein vorhandenes Krankheitsbild verschlechtern oder sogar zum Tode führen konnten. Die TCM nutzt momentan 670 Punkte, die auf bestimmten Meridianen (Leitbahnen) im Körper verlaufen. 52 Punkte davon entfallen auf das Lenker- und das Konzeptionsgefäß sowie zweimal 309 Punkte auf den 12 Meridiane, die paarweise im menschlichen Körper angeordnet sind (Lunge, Dickdarm, Magen, Milz, Herz, Dünndarm, Blase, Niere, Herzbeutel, 3-fach Erwärmer, Gallenblase und Leber). Jedes Meridianpaar ist einem der 5 Elementen zugeordnet (Ausnahme bilden die beiden Meridiane Herzbeutel und der 3-fach Erwärmer, diese sind ebenfalls dem Element Feuer zugeordnet, da sie eine doppelte Wirkung sowie Verstäkung zu weiterführenden Aktionen aufweisen): Feuer-rot, Erde-braun, Metall-weiß,grau,schwarz, Wasser-blau und Holz-grün. Diese Elemente befinden sich in einer steten Veränderung/ Wandlung und stehen in einer bestimmten Beziehung zueinander. Dies sind sogenannte Zyklen, von denen es mehrere Kombinationen gibt, da sie alle bestimmte Nutzen/ Auswirkungen haben. Für die Anwendung in der Kampfkunst (Kyusho-Jitsu) sind vor allem der Erschaffungszyklus und der Zerstörungszyklus von Bedeutung:

 

Erschaffungszyklus

                                               

Feuer erschafft Erde - Erde erschafft Metall - Metall erschafft Wasser - Wasser erschafft Holz - Holz erschafft Feuer                                                            

 

Zerstörungszyklus

 

Feuer zerstört Metall - Metall zerstört Holz -  Holz zerstört Erde - Erde zerstört Wasser - Wasser zerstört Feuer

 

die im Kreis angeordneten Elemente in Form eines Pentagramms, so erhält man aus dem Erschaffungszyklus einen Zerstörungszyklus.

 

Diese Erkenntnisse beeinflussten die chinesischen Kampfkünste und flossen in die Formen des Wushu/Gungfu mit ein. Dabei fiel auf, dass es bei der Aktivierung bestimmter Punkte vorkommen konnte, dass andere Punkte in ihrer Wirkung verstärkt wurden. Dies konnte für den Gegner kritische Auswirkungen haben. Aus diesem Grund wurde dieses Wissen nur an die engsten Schüler weiter gegeben. Das Huang Di Neijing (Die Medizin des Gelben Kaisers ), eines der ältesten Standartwerke der chinesischen Medizin, beschreibt zum ersten Mal die theoretischen Grundlagen der chin. Medizin und Akupunktur/ Akupressur. Das Wissen um die Vitalpunkte wurde durch wandelnde Mönche über Korea nach Japan weitergetragen und ist dort unter dem Begriff Kyusho-Jitsu (Vitalpunkte -Techniken ) bekannt geworden. Kyusho-Jitsu wurde nie als eigenes System unterrichtet, sondern ist als Ergänzung zu anderen Kampfkünsten in diese integriert worden. Diese Erkenntnisse um die Vitalpunkte gingen nach und nach mit der versportlichung und den Wettkämpfen um die beste Kampfkunst und höhere anzahl an Vereinsmitgliedsbeschaffung verloren. Manfred Zink, der Gründer des Kyusho-Jitsu Federation, hat es sich zum Ziel gesetzt, das Wissen um die Vitalpunkte an alle Interessierten weiter zu geben, so dass sie ihre Erfahrungen damit in ihre Kampfkünste miteinbringen können. So ergibt sich auch ein reges mit einander und Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Kampfsportarten. Choi Yong-sul der Begründer des Hapkido hat seinerseits bei seinem Meister Takeda das Wissen um die nötigsten Vitalpunkte vermittelt bekommen und konnte diese ins Hapkido integrieren.

 

Elemente im Kyusho-Jitsu 

 

Die Elemente im Kyusho-Jitsu haben einen hohen Stellenwert, sie sind nicht nur den Meridianen zugeordnet sondern auch in unseren Kampfstellungen zu finden. Auch unsere Hauptwaffe (die Faust) kann zu unsrem Zweck zu einem Element polarisiert werden. 

 

Zuordnung der Elemente - Kampfstellungen

 

Element Feuer     jap. Zenkutsu-dachi , kor. Chongul-Soggi

Element Erde       jap. Kiba-dachi, kor. Kima-Soggi

Element Metall     jap. Kosa-dachi

Element Wasser  jap. Neko-achi-dachi, kor. Twitpal-Soggi

Element Holz       jap. Shiko-dachi, kor. Kima-Soggi (tief)

 

Zuordnung der Elemente - Finger

 

Jedem unserer Finger ist ein Element zugeordnet, will man die Faust zu einem Element polarisieren wird die Daumenspitze (Erde) auf den jeweiligen Finger mit dem dazugehörigen Element gelegt.

 

Element Holz       Zeigefinger

Element Feuer    Mittelfinger

Element Metall    Ringfinger

Element Wasser kleiner Finger

 

Ausnahme bildet hier das Element Erde, da sich der Daumen nicht selbst berühren kann. Dieses Element bekommen wir wenn die Daumenspitze auf dem Zeigefinger und dem Mittelfinger positioniert wird. Wird dieses Wissen um die Elemente bei der Aktivierung eines Vitalpunktes im Zerstörungs- bzw. Schwächungszyklus angewendet, wird die Wirkung in der Regel verstärkt. 

 

Yin und Yang im Kyusho-Jitsu 

  

Go-Ju (hart/weich) ist eines der wichtigen (übergeordneten) Prinzipien im Kyusho-Jitsu, und zeigt eine mehrfach verstärkte Wirkung bei der Nutzung von Vitalpunkten. Jeder Meridian ist einem Pol (einfaches Prinzip,Yin/Yang) zugeordnet, dieses zu berücksichtigen ist wichtig bei jeder Aktion des Ausführenden. In der Praxis für eine bessere Aktivierung eines Vitalpunktes wird auf einem Pol (Yin) mit dem gegenstehendem Pol (Yang) gearbeitet und umgekehrt.

Beispiel: Gallenblase 20, ein häufig genutzter K.O. Punkt, liegt auf einem Meridiane der dem Pol (Yang/hart) zugeordnet ist. Wird Dieser mit einer hoher mechanischen Einwirkung (hart) und dementsprechenden Waffe (Ellenbogen oder Handballen) aktiviert, ist das Resultat eher ein allgemeines Schädel-Hirntrauma. Wird der selbe Vitalpunkt jedoch möglichst locker (Yin/weich) mit der Handinnenseite (jap. Haito) zuerst waagerecht und dann mit einer Drehung des Handgelenks nach oben aktiviert, kann die mögliche Folge die Orientierungslosigkeit bis hin zu einem K.O. führen.

 

Prinzipien im Kyusho-Jitsu 

 

Das Wissen über vorhandene Vitalpunkte am menschlichen Körper, Lage, Aktivierungsart, Aktivierungsrichtung, Besonderheiten, gehören zu den untergeordneten Prinzipien, jedoch der erste Schritt bevor man an den höher gestuften Prinzipien arbeiten möchte. Die Prinzipien, Zerstörungszyklus, Schwächungszyklus, Aktivierung entlang einer Leitbahn (schwächend), gegen die Flussrichtung (zerstörend), Einfaches Prinzip des Yin-Yang u.a. führen zu einer minimalen Erhöhung der Wirkung von Vitalpunkten. Die übergeordneten Prinzipien, Symetriebruch, Intensive Prinzipien Yin-Yang (Go-Ju/hart-weich), Indirekte Aktivierung, Wechsel der Körperseite, Reizüberflutung, gegenüberliegende Aktivierung u.a. führen  zu einer deutlich stärkeren Wirkung der Vitalpunkte. In der Summe sind nach jetzigem Kenntnisstand mehr als 20 Prinzipien im Kyusho-Jitsu bekannt.

 

Im Kyusho-Jitsu meist verwendete Vitalpunkte bis zum 1. Dan

  

Lunge   01, 05, 08, 09, 10  Polarität Yin 

Dickdarm   04, 05, 10, 13, 17, 18, 20 Polarität Yang

Magen   02, 03, 05, 06, 07, 09, 11, 12, 15, 18, 25, 34, 36 Polarität Yang

Milz   06, 09, 10, 11, 17, 21 Polarität Yin 

Herz   01, 02, 03, 04, 05-07, 08 Polarität Yin 

Dünndarm   06, 16, 17, 18, 19 Polarität Yang 

Herzbeutel   01, 02, 03, 06, 07, 08 Polarität Yin 

3-fach Erwärmer   03, 10-12, 15, 17, 21, 23 Polarität Yang 

Gallenblase   02, 08, 09, 13-15, 20, 21, 22, 24, 25, 31, 32, 34 Polarität Yang 

Leber   07, 08, 09, 13, 14 Polarität Yin 

Lenker Gefäß   20, 26, 27

Konzeptionsgefäß   03, 04, 05, 12, 14, 17, 24

 

 

Nachwort 

 

Hiermit sind wir schon am Ende meiner Prüfungsarbeit angelangt. Das hier Niedergelegte ist natürlich nur ein Bruchteil dessen, was ich bisher kennen gelernt habe und was noch zu erlernen ist. Ich muss sagen, dass so eine Theoriearbeit für mich eine besondere Erfahrung war, denn seit Beginn meines Schreibens vor sechs Monaten sind mir sehr viele Aspekte der Kampfkünste durch den Kopf gegangen, die ich mit auflisten würde, doch dann würde ich nie zum Ende meiner Arbeit kommen. Dies ist für mich noch einmal die Bestätigung, dass es nie ein Ende gibt, bei Sachen mit denen man sich gerne beschäftigt. In der Zeit seit ich mich wieder mit Kampfsport beschäftigt habe, entwickelte sich für mich ein neuer Weg ( BushiDo ), auf den ich sehr viel Wert lege und sehr viel Zeit investieren möchte. Wenn ich diesen Weg aufzeichne sieht es so aus:

Ein Kreis mit drei Ebenen, die jeweils eine Bedeutung für mich haben: einen körperlichen, einen energetischen Aspekt und natürlich die Beeinflussung der Außenwelt. Um diese Aspekte leben zu können, unterstützen mich die jeweiligen Systeme: das Hapkido ( hilft mir meinen Körper besser zu beherrschen sowie ein besseres Verständnis für Techniken zu entwickeln), Kyusho-Jitsu ( fördert mein Verständnis in den Auswirkungen der Techniken auf energetischer Basis ) und das Kiai-Do ( lehrt mich über den Einklang und die Harmonie zwischen mir und meiner Umwelt).

Ich danke hiermit natürlich allen dafür, die mich auf diesen Weg begleiten und mich stets fördern und unterstützen.